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Fünf gute systemische Fragen

Es passiert schon mal, dass unsere wunderbaren, systemisch ausgerichteten Fragen unser Gegenüber aus der Fassung bringen. „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“ oder: „Darüber muss ich erstmal kurz nachdenken.“, antwortet dann meist der Klient oder Coachingkunde. Systemische Fragen regen dazu an, aus gewohnten Denkmustern auszusteigen und sich – erst einmal nur versuchsweise – auf eine neue Gedankenreise einzulassen.

 

Was ist das Gute am Schlechten?

 

Diese Frage kann verstören, besonders dann, wenn sich das Gegenüber schon sehr lange mit der eigenen Not, dem Problem oder der wirklich ausweglosen Lage beschäftigt hat. Negative Gedanken werden hin und her gewälzt, immer düstere Szenarien bilden sich im Kopf. Alle Aspekte, die Wut, Trauer oder Schmerz hervorrufen, rücken in den Mittelpunkt der Wahrnehmung. Und oft ist die Not ja auch wirklich groß. Solch eine Frage, die darauf zielt, was gut an der misslichen Lage sein könnte, bringt das Denken in eine ganz neue Richtung. Meist ist auf den ersten Blick rein gar nichts gut, das Herz ist voll mit unguten Gefühlen. Beim näheren Hinschauen und mit der Unterstützung weiterer Fragen stellen sich immer einige Aspekte heraus, die Hoffnung und neue Perspektiven vermitteln.

 

Was würden Sie sich denn wünschen?

 

Mitten in einem Anfall von Ärger, Wut oder Kummer solche eine Frage gestellt zu bekommen, bringt erst einmal ins Stocken. Der Focus geht ja in dem Moment eher zum Anderen und zu dem, was er oder sie schon wieder alles falsch gemacht, Schlechtes getan oder Gutes unterlassen hat. Der Blick auf den eigenen Wunsch in der verfahrenen Situation ändert die Perspektive vollständig. Was ich mir wünsche? Ja, was soll denn stattdessen passieren? Wo soll die Reise hingehen, was könnte sich verändern und wie würde das dann aussehen, wenn es einträte? Die Frage nach dem eigenen Wunsch richtet den Blick weg vom Anderen nach innen und hin auf das, was uns wirklich wichtig ist an der jeweiligen Situation.

 

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen würden – was würden Sie dann tun?

 

Gute Ideen gibt es viele, tausende von ihnen werden wieder abgewählt, weil zu schnell der Rezensent der Möglichkeiten auf die Bühne tritt. Das geht nicht, weil…. Das ist zu schwierig wegen…. Das schaffe ich nicht… Das habe ich noch nie gemacht… Darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Die Idee, den Blick weg von den Gegebenheiten hin zu den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten zu lenken, lässt uns auf einmal groß denken. Wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich…  Ja was denn? Was genau würde ich dann tun oder womit würde ich beginnen? Den Horizont weit machen und groß denken, das bringt neue, kreative Inspirationen

 

Angenommen, es würde über Nacht ein Wunder geschehen und Ihre schwierige Situation hätte sich auf einen Schlag verändert, was wäre dann anders?

 

Meist rechnen wir nicht mit Wundern und mit sofortigen Veränderungen. In der Regel kommen neue Dinge nicht von heute auf morgen in unser Leben und brauchen ihre Zeit. Sich trotzdem vorzustellen, dass es über Nacht besser würde, dass auf einen Schlag alles anders wäre… Wie würde das aussehen, wie würde es sich anfühlen? Was genau würde ich dann anfangen mit diesem „völlig neuen Leben“ und wer würde es als erstes bemerken? Die Idee hinter dieser Frage ist, dass es oft gute Gründe dafür gibt, Veränderungen eben nicht anzugehen und alles weiter so laufen zu lassen. Mit der „Wunderfrage“ kommen wir uns selbst und den „Verhinderern“ von guten Entwicklungen auf die Spur. Und wir erhalten eine neue Ahnung von dem, was noch alles auf uns warten könnte….

 

Was meinen Sie, was würde Ihre beste Freundin Ihnen raten für Ihre aktuelle Lage?

 

Eine klassische, zirkulär systemisch ausgerichtete Frage. Ich nehme mir einen „inneren Ratgeber“ hinzu und beziehe dessen oder deren Perspektive in den Entwicklungsprozess ein. Die Außenperspektive bringt es oft ganz schnell auf den Punkt, was wirklich zählt und wichtig ist. Oder sie zeigt auf, welche Denkrichtung bisher noch gar nicht im Blick war. „Meine beste Freundin würde sagen: Mensch, gönn dir den Neuanfang, du hast schon so lange auf diese Chance gewartet!“ Beste Freundinnen, liebevolle Ehepartner, herzensgute Großväter oder auch ein eigener mutiger innerer Anteil zeigen auf liebevolle Weise auf, was sich gut und richtig anfühlt.

 

Haben Sie Lust bekommen, noch mehr von diesen und anderen wunderbaren systemischen Fragen und Methoden kennenzulernen?  Unsere Weiterbildungsreihe „Systemischer Coach für Bildung und Erziehung“ startet im Herbst 2018 und bietet systemisches Handwerkszeug für den Alltag in Schule, Kita, sozialer Arbeit und Familienbildung.

 

Herzlichst

Ihre Antje Rein

 

 

 



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Kommentare: 4
  • #1

    Dorothea Isserstedt (Freitag, 09 Februar 2018 01:57)

    Danke....kluge Fragen.....man ist oft zu feige oder mutlos i der so,
    Um wirklich mal die Perspektive zu wechseln......so erlebe ich das.

    Lieben Gruss Dorothea

  • #2

    Dagmar (Freitag, 09 Februar 2018 20:54)

    Hallo Antje...mein Interesse geht schon länger in Richtung Coachingausbildung. Bevor ich mich anmelde, würde ich gerne noch einiges erfragen. Können wir eventuell mal telefonieren? Freundliche Grüße...Dagmar

  • #3

    Antje Rein (Samstag, 10 Februar 2018 08:28)

    Hallo Dagmar, gerne können wir telefonieren und offene Fragen klären. Bitte rufen Sie uns einfach im Büro an unter 039002/40211. Über das Kontaktformular können Sie uns auch eine Nachricht schreiben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Antje Rein
    Institut Lebensnah

  • #4

    Anika Hädicke (Montag, 12 Februar 2018 14:15)

    Liebe Dorothea,

    Sie sprechen da etwas sehr wichtiges an. Ich denke, je nachdem, in welcher Situation man steckt, ist ein Perspektivwechsel eine große Herausforderung, sowohl für den Klienten/Coachee als auch für den Berater. Dieser ist gefordert, Verständnis, Geduld und eine behutsame Herangehensweise zu wählen, um aus dem ein oder anderen Gedankenkarussell heraus zu neuen Perspektiven anzuregen.

    Liebe Grüße
    Anika

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