· 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf?? - Ein Erfahrungsbericht

Blog abonnieren


Im Alltag mit Familie und Beruf zieht dieses Thema nicht nur mich in den Bann. Die Frage, inwiefern sich Kind(er) und Beruf vereinen lassen, ist Gesprächsthema in meiner Familie, im engen und weiteren Bekanntenkreis. Meistens geht es dabei um Anforderungen, denen man in den eigenen Rollen gerecht werden möchte und um die Konflikte, die sich daraus ergeben.

 

 

Neulich in der Kita...

Erst vor einigen Tagen stand ich mit einer anderen Mama vor der Kita, Kinder abgegeben, erfolgreich durchgeschwitzt … ;-) Wir klauten uns selbst eine Viertelstunde unserer Arbeitszeit, um beim Thema Stress im Beruf hängen zu bleiben. Die Mama erzählte vom Druck, den sie auf der Arbeit wegen eines Projekts hatte, das „dringend bis übermorgen“ fertig werden musste. Und dass der Stresspegel im Büro entsprechend hoch war. Dass sie sich oft nach der Elternzeit zurücksehnt. Ein paar Minuten zuvor hatten sich unsere Kinder gewünscht, mal wieder „Mittagskinder“ zu sein. 

 

 

Ein typischer Tagesablauf mit Job und Kind(ern)

Mein Wecker klingelt um 06.30 Uhr, mit Glück haben wir durchgeschlafen. Bis 08 Uhr sind wir mit dem Frühstück fertig, um 09 Uhr sitze ich meistens am Schreibtisch. Üblicherweise hole ich die Kinder gegen 16 Uhr ab. Wir trödeln dann, manchmal dauert es eine halbe Stunde, bis wir im Auto sitzen und auf dem Weg nach Hause sind. Gegen 18 Uhr, wenn der Papa kommt, gibt es erst ein Freudenkonzert und dann Abendbrot. Um 19.30 Uhr sind beide Kinder im Bett, oft setzen wir Erwachsenen uns dann nochmal an den Schreibtisch.

Besorgungen verlegen wir meistens auf’s Wochenende. Neulich war ich mit den Kindern nachmittags alleine einkaufen. In einem Supermarkt, der Kinder-Einkaufswagen bereitstellt. Natürlich wollten beide Kinder einen. Sehr nachvollziehbar, finde ich und die mutige Mama hat mitgezogen – komischerweise fand der Papa abends, wir hätten ganz schön viel Süßkram gekauft. Hab ich gar nicht mitgekriegt, schließlich musste ich mindestens 50 Mal verhindern, dass die zwei andere Leute anfahren ;-)

 

 

Ich bin Generation Y

Ich gehöre zur sogenannten Generation Y, geboren zwischen 1980 und 2000 und wissenschaftlich recht gut erforscht. Im Buch „Die heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändert“ von Jugendforscher Hurrelmann finde ich mich erschreckend gut zusammengefasst:

  • Wir investieren viel in unsere Bildung. Jobs auf Lebenszeit gibt es nur noch selten. Also haben viele von uns Abitur gemacht und studiert, damit wir uns einen Platz in der Gesellschaft sichern können. Unsere Eltern haben das unterstützt, aber eher darauf geschaut, dass wir Zertifikate mit guten Ergebnissen sammeln und uns einen sicheren Beruf suchen. Wir hingegen finden es ganz in Ordnung, nicht mehr 40 Jahre im selben Job zu bleiben.
  • Im Gegenzug wollen wir für unsere Investitionen eine sinnstiftende Tätigkeit. Arbeit soll Spaß machen und uns erfüllen. Wir wollen im Team arbeiten und denken in möglichst flachen Hierarchien, in denen wir uns einbringen können.
  • Wir wollen Kinder und Familie, aber erst, wenn alles passt. Wir lassen uns Zeit und überlegen lange, bevor wir diesen Schritt gehen. Dabei wird Frauen UND Männern immer wichtiger, die familiären Aufgaben gleichberechtigt zu verteilen. Das gilt auch für gleichgeschlechtliche Ehen. Familie und Karriere müssen vereinbar sein.

Selbstverwirklichung ist (m)ein Zauberwort. Es stimmt, für das, was ich und meine Eltern in meine Aus- und Weiterbildung investiert haben, sollte dann im Beruf alles passen. Meine Eltern haben mir empfohlen, Lehrerin zu werden, wegen des sicheren Auskommens und weil ich doch gut mit Kindern könne. Dass ich das Abitur mache, war meinem Vater sehr wichtig, er selbst hatte dazu keine Gelegenheit. Ich habe nicht gleich nach dem Studium etwas Passendes für mich gefunden, deshalb haben mein Mann und ich uns darauf geeinigt, Kinder zu bekommen. An der Stelle passe ich nicht so gut in das Raster der Forschung. Ich war beruflich noch nicht angekommen, als unsere Große zur Welt kam. Dafür habe ich mir nach der zweiten Tochter Zeit genommen, um mir etwas zu suchen, was aus meiner Sicht Sinn macht! 

 

 

Wie ist das nun vereinbar?

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in unserer Gesellschaft ein großes Thema, auch weil Burnout-Fälle zunehmen. Es gibt dabei gesellschaftspolitische Aspekte, organisationale und individuelle. In gesellschaftspolitischer Hinsicht kann ich nur begrenzt Einfluss nehmen, indem ich mich etwa für das Thema engagiere und auf jeden Fall wählen gehe. Auf der Ebene der Organisation kann ich versuchen, mir einen familienfreundlichen Arbeitgeber zu suchen. Im akademischen Betrieb geht das in meinem Fall ganz gut, mein Mann und ich haben dort viele Freiheiten. Nur das Privatleben vergisst sich, wenn die tägliche Flexibilität zu abendlicher Schreibtischtätigkeit führt. An dieser Stelle kommt der aus meiner Sicht wichtigste Aspekt zum tragen, nämlich der individuelle. Auf den können wir selbst den größten Einfluss nehmen.

Ich bin in allen Lebensbereichen sehr glücklich: Ich habe eine tolle Familie, wundervolle gesunde Kinder, eine Partnerschaft auf Augenhöhe und inzwischen sogar einen tollen Job. Dennoch handeln mein Mann und ich immer wieder den Alltag neu aus. Wenn etwas dazwischen kommt, will das gut geplant und organisiert sein. Oft kommt ungeplantes, im Winter vorzugsweise kranke Kinder. Wir versuchen, uns dann abzuwechseln, damit nicht zuviel Arbeit liegen bleibt. Wir erinnern uns auch immer wieder daran, Freundschaften und Hobbies zu pflegen. Das klappt mal mehr, mal weniger.

Ich selbst weiß zum Glück, was ich will und was nicht. Das ist auch ein wichtiger Selbstklärungsprozess, bestimmt nicht nur in meiner Generation. Ich muss Perfektionismus und Idealismus aber trotzdem immer wieder über Bord werfen - zuhause, wenn es unordentlich ist, auf der Arbeit, wenn eine Deadline winkt. Und meine tägliche Belohnung? Abendbrot mit der Familie. Wenn der Papa mit Freudengebrüll begrüßt wird und wir alle zusammen sind. Die Familie ist das wichtigste. Und schönste. 

 

 

Und Sie?

Wie geht es Ihnen mit dem Thema? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Was tun Sie, um sich nach einem langen Tag zu entspannen? Was würden Ihre Kinder sagen, was richtig gut läuft? Und was Ihr Partner? Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wäre dann anders? Ich freue mich auf Ihre Eindrücke.

 

Herzlichst

Ihre Anika Hädicke

 



Kommentar schreiben

Kommentare: 0

LEBENSNAH kontaktieren

LEBENSNAH besuchen

 

LEBENSNAH abonnieren

Newsletter bestellen