· 

Wie man in einer Wohngemeinschaft gelassen vom Konflikt zur Lösung kommt

Blog abonnieren


Theresa Rein beschreibt in ihrem Blog-Beitrag aus studentischer und junger Perspektive, was aus Konflikten werden kann und wie man in eine Lösung kommt. Theresa ist die Tochter von Antje Rein und studiert Soziale Arbeit. Mit ihrer Wohngemeinschaft verfolgt Theresa ein klassisches studentisches Wohnkonzept. Das geht in aller Regel nicht ohne Konflikte und bietet daher einen wunderbaren Aufhänger, über das Thema Konflikt zu schreiben. Antje Rein bietet zum Thema Kommunikation und Konflikt das Seminar Gewaltfreie (einfühlsame) Kommunikation erlernen an. 

 

 

Morgens um halb acht in einer Frauen-WG

Es ist 07:30 Uhr in der Frauen-WG. Sophie (alle Namen geändert), ruhig und gelassen, macht sich im Badezimmer fertig für den Tag. Lisa, am frühen Morgen schon aufgebraust und gestresst, muss in zehn Minuten los und wartet ungeduldig vor der Tür. Beide haben morgens unterschiedliche Bedürfnisse, die auch mal aufeinanderprallen. Sophie beginnt in aller Ruhe den Morgen, während Lisa gleich aus dem Haus muss. Sophie’s Wunsch nach einem entspannten Start in den Tag trifft auf Lisa’s Anspruch, pünktlich zum ersten Termin zu erscheinen. Als Sophie endlich aus dem Badezimmer kommt, entladen sich divergierende Wünsche und Bedürfnisse in einem Streitgespräch. 

 

 

Konflikte und ihre Bestandteile

Der Begriff Konflikt kommt aus dem lateinischen und bedeutet übersetzt „kämpfen“ oder „zusammentreffen“. Zwei Parteien treffen mitsamt unterschiedlicher Interessen, (Wert-)Vorstellungen und Haltungen aufeinander. Auseinandersetzungen und Konflikte sind Bestandteil unseres Alltags. Sie zu lösen und zu verstehen kann das Leben bereichern. Konflikte - so die Bundeszentrale für politische Bildung - bestehen aus drei Komponenten.

Der Widerspruch von Interessen und Bedürfnissen zweier Parteien bildet den ersten Bestandteil. Wie oben beschrieben ist für Sophie der morgendliche Badaufenthalt ein Zeitpunkt der Selbstfürsorge, einer Verschnaufpause vor der Hektik des Alltags. Lisa hingegen schläft gerne bis auf den letzten Drücker, möchte aber dennoch pünktlich zu ihrem Termin oder ihrer Arbeit kommen.

Die zweite Konfliktkomponente sind Gedanken, Worte und Haltungen, die bewusst oder unbewusst den eigenen Standpunkt rechtfertigen. Die gelassene Sophie denkt sich etwa „Es ist ja erst halb acht, ich habe alle Zeit der Welt!“. Lisa denkt „Jetzt warte ich schon seit zehn Minuten, dass Sophie endlich fertig wird. Es reicht, ich komme zu spät!“. Beide rechtfertigen vor sich selbst ihre Meinung.

Der dritte Bestandteil sind Verhalten oder Haltungen, die Auseinandersetzungen verstärken oder gar hervorrufen. Im Beispiel kommt Sophie völlig entspannt aus dem Badezimmer. Für Lisa ist eine gefühlte Ewigkeit des Wartens vor der Tür vergangen. Als sie Sophie damit konfrontiert, fühlt sich diese in ihrer Ruhe gestört. Dass Lisa ihren Platz vor der Tür nicht verlassen hat, verärgert Sophie und fühlt sich an wie ein Eingriff in ihre Privatsphäre. Lisa wiederum ist verärgert, dass sie überhaupt so lange warten musste. War ja nicht das erste Mal. 

 

 

Lösen oder ignorieren?

Schwelt ein Konflikt zwischen zwei Parteien, gibt es zwei Möglichkeiten: Lösen oder unbeachtet lassen. Brodeln Konflikte allerdings lange im Untergrund und bleiben unausgesprochen, lösen sie Stress bei beiden Parteien aus, die sich dann tiefer und tiefer in ihren Vorstellungen des Konflikts verstricken können. Werden Auseinandersetzungen hingegen besprochen und geklärt, bringen sie Menschen oft sogar näher zusammen. In der Konfliktlösung hinterfragen wir unsere Wahrnehmungen, denken über uns und andere nach und gehen einen Schritt aufeinander zu. Welchen Weg der Konflikt nimmt, hängt von unseren eigenen Strategien und Restriktionen ab. Deshalb trage ich im Folgenden einige Vorschläge für Strategien und Methoden zusammen, die eine Konfliktlösung aus meiner Sicht möglich machen. 

 

 

Mit welchen Methoden (nicht nur) Wohngemeinschaften Konflikte lösen können

(Situations-)Beschreibungen und Kommunikation spielen bei Lösungsfindungen eine wichtige Rolle. Spricht jemand in Ich-Botschaften oder Nachrichten, werden Situationen, Gefühle und Interessen aus der eigenen Sicht beschrieben. Die Nachrichten umgehen den vorwurfsvollen Ton von „Du, Du, Du“. Offene W-Fragen (WER?, WIE?, WAS?, WESHALB?, INWIEFERN?) öffnen den Blick für Wünsche, Gefühle und Betrachtung des Gegenübers. Eine Beschreibung der eigenen Gefühlswelt ist wichtig. Genauso wichtig ist es, die Gefühlswelt des anderen nachzuvollziehen, zu achten und in eine Lösung einzubeziehen. Ein weiteres Werkzeug der Konfliktlösung bildet die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Hierbei beschreiben Betroffene zuerst die Situation aus ihrer Sicht, dann eigene Gefühle und Wünsche. Beide beschriebenen Methoden decken unterschiedliche Wünsche und Wahrnehmungen von Konflikten auf, Differenzen werden erkannt. Zusammen schauen die Parteien von der Metaebene auf den (vergangenen) Konflikt.

Im nächsten Schritt kann gemeinsam eine Lösung gefunden werden. Lösungen beruhen auf Gegenseitigkeit, Verständnis und Akzeptanz. Mögliche Lösungen sind einvernehmliche Absprachen. Für zukünftige ähnliche Situationen wird vereinbart, wie beide Parteien sich verhalten. In unserem Beispiel haben sich beide Mitbewohnerinnen auf eine Maximal-Zeit im Badezimmer geeinigt. Wenn eine von beiden dringend los muss, so sagt sie möglichst frühzeitig Bescheid.  So beeilt sich die Person im Badezimmer etwas. Beide akzeptieren den Lösungsvorschlag. Am Ende lachen sie gemeinsam über ihre Missverständnisse.

 

 

Auf zur Gelassenheit!?

Ich wünsche jedem einen möglichst gelassenen Umgang mit Konflikten, insbesondere in Stresssituationen ist das eine große Herausforderung. Lösen wir einen Konflikt, bereichert das unser Leben und bestärkt uns. Die Herausforderung anzunehmen, gegenseitig aufeinander zugehen und ein offenes Ohr für das Gegenüber haben. Das alles bündelt sich, wenn man einen Konflikt zur Lösung bringt.

Was denken Sie darüber? Wie gehen Sie mit Konflikten um, was beschäftigt Sie dabei? Welche Lösungsstrategie möchten Sie gern mal probieren? Schreiben Sie es gerne in die Kommentare.

 

Herzlichst

 

Ihre Theresa Rein

 

 



Kommentar schreiben

Kommentare: 0

LEBENSNAH kontaktieren

LEBENSNAH besuchen

 

LEBENSNAH abonnieren

Newsletter bestellen